Barbara Dribbusch

Journalistin & Autorin

Kolumnen

Zu alt, um Opfer zu sein | TAZ 13.3.2017

LIEBE Helmut Schmidts Freundin Ruth Loah ist tot. Eine Beziehung mit einem Prominenten gelingt am besten im hohen Alter.

Es wirkt auf den ersten Blick traurig, was man über die späte Lebensgefährtin Helmut Schmidts, Ruth Loah, liest: Die 83-Jährige starb schon vor mehr als zwei Wochen. Ihre Urne wurde, von der Öffentlichkeitkeit unbemerkt, auf dem Friedhof Hamburg-Tonndorf beigesetzt. Nur ein schlichter Stein mit der Aufschrift „Loah“ ziert das Grab, dazu zwei Sträuße, zwei Schleifen, eine davon vom Seniorenstift Augustinum Hamburg, so berichtet die Nachrichtenagentur dpa. „Mein Gott, was für ein einsamer Tod!“, denkt man sofort. Aber das ist der falsche Ansatz.
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Später

Wider das Prostitutionsschema | TAZ 7.12.2015

Mein alter Kumpel Wolf hat eine neue junge Flamme. Hab ich noch Lust auf ein Treffen? Oder ist hier Schluss mit der Solidarität?

Eigentlich wollte ich zur Problematik „ältere Männer, jüngere Frauen“ nichts mehr schreiben, aber dann mailte Wolf, ob wir uns nicht mal wieder sehen könnten – nur so.
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Später

Falten für Iris Berben | TAZ 17.8.2015

Auch Frauen haben das Menschenrecht, alt zu werden. Mit Wangen, die entspannt durchhängen. Und zwar wann immer sie wollen.

Jeder Mensch hat seine ganz persönliche Kotzliste, und mir fiel neulich wieder ein, was bei mir da ganz oben steht. „Iris Berben wird 65“, las ich in einer Tageszeitung – irgendwie hat sich die Heraufsetzung des Rentenalters noch nicht überall herumgesprochen. Dann kam der Satz: „die Frau ohne Alter“. Die Berben, „sie gilt als die eleganteste, erotischste und charmanteste Schauspielerin“, schleimte die Autorin, dazu ein Foto des operierten und gephotoshoppten Gesichts der Berben und irgendwas über ihre „guten Gene“, die ihr helfen würden, „das mit dem Aussehen hinzubekommen“.

„Das mit dem Aussehen hinzubekommen“ heißt natürlich: bloß nicht so auszusehen, wie man denkt, dass 65-jährige, ach was, schon 50-jährige Frauen möglichst nicht aussehen sollten, um nicht die Umwelt zu verschandeln.
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Später

Die Angehörigen, das sind wir | TAZ 20.7.2015

Bine hat Krebs. Und keine Familie. Wir FreundInnen lernen jetzt, wie man damit umgeht. Zuhören und bloß keine Ratschläge geben.

Freundin Bine hat eine Liste doofer Sprüche in ihrem Gedächtnis gespeichert. Bine hat inzwischen ziemlich Probleme mit dem Sprechen, aber sie kann noch flüstern. Wir saßen wie so oft auf unserem Geheimplatz an der Havel auf der kleinen Landzunge und beobachteten rostige polnische Tanker, die gemächlich vorbeizogen.

Doof, zum Beispiel, flüsterte Bine, ist der Spruch: „Krebs! Ist ja furchtbar! Aber ich bewundere dich, wie toll du damit umgehst!“
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Später

Geschmeidig mit dem Gabelstapler | TAZ 16.3.2015

Früher sprachen wir auf Partys über sexuelle Freiheit im Bett, jetzt über Barrierefreiheit im Bad

Als ich kürzlich mit einem Sektglas in der Hand auf der Party zu Theresas 60. Geburtstag über die Höhe von Treppenstufen diskutierte, schwante mir, dass sich gerade etwas Grundsätzliches ändert in unseren Fetengesprächen.

“Also unsere Vorbesitzerin ist ausgezogen, als sie 75 wurde”, sagt Theresa und nippt am Prosecco. “Die Treppen, die schaffe sie einfach nicht mehr mit ihren Knien.” “Sind ja auch hoch, die Stufen bei euch im Reihenhaus”, stimme ich zu.
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